34. Tag – Schneeeee

Strecke: Mals – Scoul – Lischanahütte (2450m) – Sur En

Endlich wieder bewegen! Es hat so gut getan, die Beine wieder zu spüren, wieder tief die reiche Luft einzuatmen und in den mir nun so vertrauten Rhythmus der Schritte zurück zu finden. Der Weg von Scoul durch das Val Lischana hinauf war wunderschön. Entlang an Bächen und vorbei an kleinen Wasserfällen ging es erfrischend bergauf. Die Entscheidung wegen dem schlechten Wetter und dem vielen Schnee noch einen weiteren Tag in Mals zu bleiben erwies sich als richtig. Nicht nur, weil es viel schöner ist morgens im Sonnenschein loszugehen, wie es dann heute war, sondern auch weil sich schnell herausstellte, dass der Schnee wesentlich üppiger liegen blieb, als erwartet. Die Temperatur sank spürbar, je höher es Richtung Piz Lischana ging, dem eigentlich geplanten Gipfel des Tages. Ab ca. 2000m ging es nur noch durch Schnee. Man konnte den Weg zwar noch ausmachen, aber an vielen Stellen waren so tiefe Verwehungen, dass ich bis zu den Knien im Schnee stand. Langsam kam die Unsicherheit, ob der Gipfel, der sich noch in Nebel hüllte, überhaupt machbar wäre. Es war schon recht spät, und der geplante Weg zurück ins Tal zum Biwak doch noch recht weit. Ein Biwak am Berg hatte ich wegen des Wetters und der doch noch ziemnlich eisigen Temperaturen schon ausgeschlossen. Das mache ich erst, wenn es keine anderen Möglichkeiten gibt.

Auf der Lischanahütte angekommen wurde klar: der ganze Plan würde nicht aufgehen. Die Wirtin sagte, der Weg zum Gipfel sei überhaupt nicht machbar und der geplante Weg zurück ins Tal durch die Uina Schlucht hätte noch über 50cm Schnee und sei völlig unverspurt. Schweren Herzens ging es also den selben Weg zurück ins Tal. Ich mache mir langsam schon grundsätzlich Gedanken wie es weitergeht, denn wenn das Wetter so unbeständig bleibt und es weiter so kalt ist, könnte es aber an vielen Passagen oben für mich allein doch zu gefährlich werden. Aber zu viel Grübeln bringt auch nichts und schließlich habe ich mich mit dem immer wieder beruhigenden Gedanken abgefunden, dass ich es eh nicht ändern kann, dass ich eben Tag für Tag sehen muss, was geht, und dass es immer eines gibt was sicher ist: Es wird weitergehen. Und zwar weiter zu Fuß, weiter durch die Berge (ob weiter oben oder weiter unten) und weiter nach Westen. 

Die Umkehr wurde allerdings noch mit einem wunderschönen Biwakplatz voller Zwerge belohnt. Ja, wenn die irgendwo wohnen, dann hier. Sie wecken Kindheitserinnerungen an Waldspaziergänge voll Geheimnnissen und aufregenden kleinen Entdeckungen. Viel Moos, plätscherndes Wasser und ein vom Mond übertrahlter Sternenhimmel entschädigen doch für Vieles. Und die Hoffnung auf gutes Wetter morgen, ein Stück Schokolade und die Aussicht auf eine eine warme Nacht machen alles wieder schön und gemütlich.  

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