38. Tag – Wieder ein Tal weiter

Strecke: Prasüras (1680m) – Zuoz (1720m) – Chamanna d’Es-Cha (2594m) 

Letzte Nacht habe ich kaum geschlafen. Der Biwakplatz war zwar schön und in der Mulde in dem kleinen Waldstück war der Boden angenehm weich, aber der Vollmond war so hell, dass ich immer dachte es sei schon Tag. So habe ich dann Nachts Fotos bearbeitet anstatt zu schlafen und bin morgens noch bis zu den ersten Sonnenstrahlen in meinem gemütlichen Schlafsack liegen geblieben. Irgendwie war ich heute etwas verspannter, vielleicht auch wegen dem fehlenden Schlaf. 

Im Tal musste ich ein paar Sachen erledigen und der Weg hier hinauf zur Hütte war kurz. So habe ich schon nach ein paar Kilometern eine ausführliche Mittagspause in der warmen Sonne eingelegt. 

Auf dem Weg hier hoch habe ich zurückgeschaut und wie so oft in den letzten Tagen genau gesehen, wo ich hergekommen bin. Manchmal wird mir dann plötzlich und mit einer Wucht bewusst, dass ich nicht einmal zählen kann, wie viele Täler ich auf dieser Tour schon durchwandert bin und über wie viele Berge ich gestiegen bin. Da liegen Ländergrenzen dazwischen, da werden verschiedene Sprachen gesprochen, da hat sich die Landschaft schon ganz gewaltig verändert. Der Beginn in Slowenien ist so weit weg. Fast wie an einem anderen Ende von mir selbst. Es kommt mir vor als habe ich mich verändert seitdem, aber ich könnte nicht genau beschreiben wie.
Die Landschaft gefällt mir auf dieser Seite wieder sehr gut. Es sind grüne Grasberge, ein bisschen erinnert es mich an die Karnischen Alpen. Allerdings sind gerade um Zuoz herum viele Skigebiete und man muss von den Liftstationen absehen um die eigentliche Schönheit der Landschaft zu erkennen. 

Ein ruhiger Tag war heute. Ich sitze in der Chamanna Es-Cha und habe mich zum ersten Mal seit langem wieder richtig satt gegessen. Es ist ein gutes Gefühl, auch wenn es fast ein bisschen zu viel war… Jedenfalls werde ich gut schlafen.

Bisher hatte ich noch nie ein so „hohes“ Biwak bei so niedrigen Temperaturen. Aber die Luft ist schön und klar und wohltuend und die Kälte stört mich nicht. Ich habe mir eine schöne, hoffentlich windstille kleine Mulde gesucht, direkt neben einem kleinen Stück Schnee. Ich denke wenn das noch nicht weggeblasen wurde und noch nicht geschmolzen ist, dann muss es eine Stelle sein die geschützt ist und in der auch ich geschützt sein werde. Außerdem ist es weit genug von der Hütte entfernt um ganz für mich zu sein. Denn danach is mir jetzt wieder für ein paar Tage. 

Die Sicht in die Bernina hinüber ist atemberaubend schön. Ich habe an meinem Biwakplatz vorhin eine halbe Stunde Yoga gemacht und mich dabei in den Anblick verguckt. Die Bernina sind sicherlich ein Gebirge, in dem ich in der Zukunft einmal mehr Zeit verbringen will. Aber dann direkt zu dritt, geplant als Seilschaft und mit Fokus auf genau diese Berge und ihre hohen Touren. Von hier sehen sie jedenfalls sehr verlockend aus, wie sie da glänzend weiß und majestätisch ruhen und ich freue mich schon auf den Anblick bei Sonnenaufgang.

Morgen früh um 5 Uhr gibt es Kaffee. Dann geht es wieder auf einen Gletscher, oder auf das was von ihm noch übrig ist… Ich habe hier vorhin auf eine Karte aus dem Jahr 1987 geschaut, da war er bestimmt noch doppelt so groß wie auf der Karte auf meinem Handy. Ich freue mich sehr auf den ganzen morgigen Tag, an dem das Wetter wirklich toll werden soll. Ich freue mich auf den Gipfel des Piz Kesch, auf den Weg über den Gletscher und die Kletterei, die ich diesmal alleine machen werde. Und ich freue mich auf den Nachmittag, an dem ich einen kleinen See ansteuern will, der mir auf der Karte schön vorkommt. 

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