40. Tag – Es muss ja nicht immer prickelnd sein…

Strecke: Ravais-Ch Seen (2650m) – Sertigpass (2739m) – Davos (1600m)

Okay, das war wahrscheinlich die unangenehmste Nacht bisher. Der Weg von der Hütte zu den Seen gestern Abend war länger als ich geschätzt hatte und so kam ich erst im Dunkeln dort an. Es war ein ungünstiger Biwakspot, weil überall kleine Bäche flossen und der Boden recht feucht war. Zudem war die Ebene den Winden völlig ausgesetzt und es gab kaum schützende Felsen. Weil ich aber wirklich müde war, habe ich einfach meinen Schlafsack ausgepackt und bin nach kurzem Blick zum klaren Sternenhimmel auch sofort eingeschlafen. 

Als ich aufgewacht bin, war der Himmel düster. Der Mond hatte es mit seinem Licht sehr schwer und konnte gegen die dicken Grauen nicht viel ausrichten. Schlaftrunken wie ich war dachte ich: es ist bestimmt bald morgen und bevor es regnet bin ich hier weg. Vor dem mühsamen Blick auf die Uhr sagt ich mir: wenn es vor 2 Uhr ist, dann packe ich noch den Biwaksack aus. Sonst nicht. Ich war mir sicher es wäre schon 4 oder 5 Uhr, so tief hatte ich geschlafen. Leider war es erst 11 Uhr. Ich habe also in der Scheisskälte und bei immer stärker werdendem Wind den Rucksack und mich, samt Matte und Schlafsack in den Biwaksack verfrachtet und mit den Stöcken ein behelfsmäßiges Zelt gebaut. Ziemlich sinnloses Unterfangen bei dem Wind. Im Schlafsack bin ich zwar trocken und warm geblieben, aber im Biwaksack, den ich irgendwann richtig zu gemacht hab, so dass ich wie in einer Wurstpelle da drin geschmort habe… naja, eine bequeme Nacht ist anders. Long story short: kalt, nass, doof.

Um 6 Uhr hab ich’s nicht mehr ausgehalten, habe alles zusammengepackt und mich auf den Weg gemacht. Ich war natürlich sehr langsam, ohne Schlaf, ohne Kaffee und durchgefroren. Ich dachte nur noch an das trockene Handtuch von dem Hostel in Davos, in das ich mich nach einer warmen Dusche wickeln würde.

Trotzdem, die Landschaft war wirklich sehr schön und der Blick auf die Seen zurück hat mich doch veranlasst die Handschuhe auszuziehen und ein paar Bilder zu machen.

In Davos angekommen bin ich sofort ins Hostel. Die Frau an der Rezeotion war supernett und ich konnte gleich ins Zimmer. Noch nie habe ich eine Dusche so genossen. Draußen fing es währenddessen an zu schneien.

Am Nachmittag habe ich im Ort noch ein paar Sachen erledigt. In dem „no-bullshit“ Bergsportladen Fullmoons war Walter sehr hilfsbereit und hat mir Bücher für mein sonntägliches Wetterstudium geliehen und mir sogar ein paar Gamaschen geschenkt, die er noch im Keller liegen hatte. Meine Schuhe sind nämlich leider völlig durchgenässt. Jetzt stehen sie an der Heizung hier im Bad, frisch imprägniert. Wehe die packen morgen meinen Wassertest in der Dusche nicht. Dann kriegen die was zu hören. „xAlps“, dass ich nicht lache…

Der Nachmittag war dann aber gemütlich und ich bin inzwischen wieder ganz aufgewärmt. Habe einen überteuerten Döner genossen und mir endlich eine warme Mütze zugelegt. 

Leider sieht die Wetterprognose für morgen nicht besser aus. Aber ich muss sowieso bis Montag hier bleiben, weil mein Paket noch nicht angekommen ist. Also gibt es morgen ein paar Lektionen in Wetterkunde. Das hatte ich mir eh schon lange vorgenommen und es wird mir für die kommenden Etappen mit dem wechselhaften Wetter am Basodino und im Wallis bestimmt nützen.

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