44. Tag – (Eis-)Kristalle

Strecke: Passo Cristallina (2568m) – Pizzo Cristallina (2912m) – Pioda (2341m) – Robiei (1860m)

Es ist der Morgen von Tag 45. Ich fühle mich blockiert und weiß noch nicht, ob es mir gelingen wird heute über gestern zu schreiben. Ich kann nicht genau beschreiben was es ist, aber das Wetter draußen, der dichte Nebel scheint sich auch irgendwie auf mich gelegt zu haben. Trotz der Dusche heute morgen auf der Basòdino Hütte fühle ich mich noch verspannt. Ich weiß noch nicht wie dieser Tag weitergehen wird und auch nicht, was morgen sein wird. Draußen sieht man kaum fünf Meter weit. Ich kann es also nicht wissen. Im Moment empfinde ich diese Gegenwart aber nicht als entspannend. Vielleicht weil ich nicht allein bin. Vielleicht weil noch unklar ist, was Andi machen wird. Seine Knie haben gestern stark geschmerzt und er wird wahrscheinlich morgen wieder absteigen. Wegen dem unsicheren Wetter habe ich die Hochtour auf den Basòdino gehen will, wohl oder übel abgeschminkt, obwohl er so unfassbar schön da draußen liegt und mich eigentlich magnetisch anzieht. Wenn wir um 5 Uhr losgingen, würden wir es theoretisch schon noch im Gutwetter-Fenster schaffen. Aber was hilft am Berg schon ein „theoretisch“…

Also erstmal Vergangenheit, die ist vielleicht gerade leichter als die Gegenwart…

Die Nacht von vorgestern auf gestern war bisher die Kälteste. Trotz Zelt haben wir auf den 2600m nachts ordentlich gefroren. Es müssen weit unter Null Grad gewesen sein. Zudem stand das Zelt eben auf Schnee, der bei jeder Bewegung unter uns geknirscht hat, als wolle er an sich erinnern und daran dass es eben Winter ist hier oben. Zudem ließ der Wind das von uns im Dunkeln hastig und falsch aufgebaute Zelt ordentlich um uns herum flattern. Früh aufstehen ist uns also schwer gefallen und erst nach einem aufwärmenden Kaffee auf der Hütte waren wir fähig uns richtig zu bewegen.

Aber dann sind wir auf den Pizzo Cristallina gestiegen. Es war ein schöner Aufsteig durch reichlich Schnee, der aber glücklicherweise schon gut gespurt und noch schön fest war. Das Wetter war uns noch sehr gnädig und die Aussicht vom Gipfel war dem Gipfel würdig: kristallklar. 

Direkt unterhalb des Gipfels ist eine sehr schön hergerichtete Biwakhütte, das Rifugio Camosci. Die Hütte hatte der Schweizer Armee im zweiten Weltkrieg als Posten gedient. Von dort aus wurde der Luftraum der Region überwacht. Wir haben dort noch eine kleine Pause eingelegt und Kaffee und Rührei aus der Tüte genossen. 

Der Schnee im Abstieg war schon etwas weicher, aber immernoch recht angenehm zu gehen. Leider ist dabei aber deutlich geworden, dass meine Schuhe nicht mehr wasserdicht sind. Vorher dachte ich noch, es hätte an den fehlenden bzw. falschen Gamaschen gelegen, also dass Schnee oben in die Schuhe gekommen wäre. Jetzt mit den neuen Gamaschen und nach guter Imprägnierung ist klar: es sind die Schuhe selber. Eine ziemlich blöde Angelegenheit, hinsichtlich der weitgehend nassen und niederschlagreichen Aussichten auf den Rest der Tour… Aber irgendwie werde ich auch damit zurechtkommen. Denn weiter geht es ja immer. 

Heute schlafen wir auf 1860m oberhalb der Capanna Basòdino. Nachts soll es vielleicht regnen, aber die Hütte ist morgen früh nicht weit. Wir werden dann spontan entscheiden wie es weitergeht…

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