45. Tag – Weiße Sehnsucht

Strecke: kleiner Spaziergang um den Lago di Robiei

Ja, Sehnsucht. Sehnsucht nach Sonne, nach Gletscher, nach Gipfeln und nach langer und ausdauernder Bewegung. Für mich war das heute kein leichter Tag. Schon der Blick aus dem Zelt am morgen erinnerte mich mehr an einen Urlaub in Schottland, als an meine geliebten Alpen. Die Sicht war sehr schlecht und es fing auch schon bald an stark zu regnen. Es hätte keinen Sinn gehabt bei diesem Wetter einen Gletscher oder überhaupt irgendeinen Gipfel oder exponierten Weg zu gehen. So sind wir also nur auf die Robiei Hütte hinunter gegangen und haben uns ausnahmsweise ein Frühstück gegönnt. „Wir“, weil Andi, ein Freund aus München mich hier seit zwei Tagen begleitet. Er wird aber morgen wieder absteigen. Seine Knie machen ihm zu schaffen. 

Wir haben dann schweren Herzens entschieden auf der Hütte zu bleiben. Ich hoffe wirklich, dass das der letzte Pausentag ist, zu dem ich gezwungen werde. Es war also ein weiterer Tag voller Planung der hoffentlich noch möglichen Hochtouren im Wallis. Und irgendwie auch mit ein bisschen Frust, weil ich so viel Zeit verliere gerade. Ich werde ab morgen auf jeden Fall weitergehen und auch bei schlechtem Wetter ein paar lange Etappen machen. Eigentlich mag ich es ja auch manchmal, bei suboptimalen Bedingungen unterwegs zu sein. Der Fels strahlt dann von der Nässe und die Luft ist besonders frisch. Nur sind schwierige Passagen eben (zumal allein) nicht so gut machbar. Ich werde ab jetzt aber lieber eine leichtere Alternativrouten wählen, als Zeit damit zu verlieren auf bessere Bedingungen zu warten. Ich bin sicher die Berge werden mir in den nächsten Wochen noch den einen oder anderen Sonnentag gönnen und dann werde ich hinauf sausen, in das hohe Weiß der Walliser Gletscher.   

Aber einen schönen Aspekt hatte der Tag doch. Denn ich habe auf der Hütte Marea kennengelernt. Wieder eine tolle Frauenbekanntschaft, schon die zweite in kurzer Zeit. Sie ist die Freundin des Wirts und wir hatten von Anfang an ein „Feeling“, wie Giuliano sagen würde. Ich hätte große Lust mit ihr und Nina aus Grono zusammen im Winter ein paar Splitboardtouren hier in der Region zu unternehmen. Jaja, der Winter. An den denke ich hier schon öfters, weil die Wetterlage dazu natürlich inspiriert…

Nachmittags waren wir noch auf einen Spaziergang draußen und das hat sich sehr gelohnt und mich wieder völlig mit dem Wetter versöhnt. Wie magisch änderte es sich innerhalb von ein paar Minuten völlig. Wo vorher noch Regen, Wind und kaum Sicht waren, schien plötzlich die Sonne von einem klaren blauen Himmel und tauchte den Stausee und den Basòdino Gletscher wieder in ein unglaublich verlockendes Licht. Natürlich ist dadurch meine Sehnsucht nach dem Gipfel fast unerträglich geworden, aber der Berg wird ja noch länger hier bleiben und auch wenn der Gletscher leider immer kleiner wird, ich komme rechtzeitig wieder. Das verspreche ich mir hier selbst zum Trost.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s