46. Tag – Muster aus Eis

Strecke: Capanna Basòdino (1856m) – Btta. di Val Maggia (2635m) – Rif. Maria-Luisa (2160m) – Riale (1729m) – Lago di Morasco (1815m)

Heute bin ich oft fasziniert stehengeblieben. Es gab so viel zu sehen. Das ging schon morgens los, als ich um 6 Uhr freudig in den klaren und noch dunklen Himmel sah, in den eine perfekte Mondsichel eine geheimnisvolle Kerbe schlug. 

Auf dem Weg hinauf Richtung Btta. di Val Maggia wäre ich am liebsten die ganze Zeit gehüpft und gerannt. Und dann bin ich doch immer wieder stehen geblieben. Das Gelände hat großen Spaß gemacht, mein Körper war voller Energie, der Rucksack fühlte sich auf einmal nicht mehr schwer an und ich hatte ungemein große Freude an der Bewegung und allen Eindrücken, die groß und klein auf diesem Weg warteten.

Nicht nur hat mich das Gletscher des Basòdino nach wie vor begeistert, es gab auch unendlich viele Details zu entdecken. Viele davon waren aus Eis und ihre Entstehung stellte mich vor Rätsel, die mich noch weit nach der Entdeckung begleiteten. Da waren zum Beispiel Locken aus Eis, die aus der Erde zu wachsen schienen. Die Locken hatten ganz feine „Haare“ und haben sich in vielen kleinen Strähnen über den Weg gelegt. Jede kleine Pfütze war mit Eis überzogen, das immer andere Muster trug. Aus einer ragte ein übergroßer Tropfen nach oben, als wäre er im Moment des Auftreffens auf die Wasseroberfläche zu Eis erstarrt. Manchmal hat es Spaß gemacht, das Eis unter meinen Stiefeln knirschend zu knacken, dann dachte ich „Scherben bringen Glück“. Aber an anderen Stellen hatte ich fast ein schlechtes Gewissen dabei, weil ich da unwiderspringlich etwas zerstörte. Ich habe mich so verbunden gefühlt mit all diesem Element. Ich könnte gar nicht aufhören über vereiste Seen und durch Eiszapfen hindurch Fotos zu machen. 

Der Weg hinab Richtung Rif. Maria-Luisa war von großen Felsen übersäht und ich bin wie ein Kind von Stein zu Stein gesprungen. Die Murmeltiere müssen gedacht haben ich bin verrückt. 

Endlich wieder Italien. Auf der Hütte hab es Käse, Schinken und Pasta und ich hätte gut noch drei Tafeln Schokolade dazu einatmen können. Ich habe einen Hunger hier oben, das ist kaum zu glauben.

Nach der ausgiebigen Pause ging es parallel zu einer Fahrstraße bergab. Ich hatte mir noch einige Kilometer vorgenommen für den Tag, aber dann bin ich recht plötzlich müde geworden. Und so mache ich die Strecke durch das Vallone de Nefeklgiù nun morgen, wahrscheinlich im Regen, aber mit einer Pasta-Pause im Rifugio Margaroli, das mir sehr empfohlen wurde. Wenn alles klappt, dann komme ich morgen bis nach Binn oder sogar bis Brig hinab. Von dort aus geht es dann los zur Etappe im Wallis.

Das Thema der aktuellen Etappe, „Geduld“, beschäftigt mich nach wie vor sehr. Ich freue mich darauf, in den nächsten Tagen meine Gedanken dazu zu sortieren und dann darüber hier zu schreiben.

Heute beginnt auch meine Blogreihe bei Bergwelten.com. Hier könnt ihr sie finden.

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2 Gedanken zu “46. Tag – Muster aus Eis

  1. Diese Eis, das aussieht wie eine Locke entsteht von innen nach außen. Also umgekehrt, als die meisten Eiskristalle, die sich an etwas unterkühltem Anlagern. Es ist Wasser, das von Pilzen im Holz ausgeschieden wird und an der Außenluft gefriert. Sehr was schönes, ja.

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