49. Tag – Wirklich nochmal 300hm rauf?

Strecke: St. Niklaus (1127m) – Augustbordpass (2893m) – Turtmannsee (2177m) – Turtmannhütte (2519m)

Heute morgen war der Blick aus dem Fenster nicht gerade motivierend. Das Motto der heute beginnenden Etappe ist „Bescheidenheit“. Es irritiert mich gerade noch, denn wenn es nur das Wetter ist, das bescheiden ist, würde ich lieber das Motto ändern. Es schneeregnete und war grau und kalt. Es brauchte mehrere Anläufe und motivierende Telefonate bis sich mein Rucksack mit mir vorne dran aus der Tür der gemütlichen Wohnung von Patricia bewegt hat. Langsam wird er wieder leichter, weil ich viele von meinen „Summit to Eat“ meals konsumiere. Ich hätte nie gedacht, das etwas das in einer Alutüte gefriergetrocknet ist und nur mit heißem Wasser aufgekocht wird so lecker sein kann.

Bei -6° ging es dann aber endlich Richtung Augustbordpass. Ich hatte mich wegen Steinschlag und dem vielen Schnee gegen den Weg über das Schhöllijoch entschieden. Der Wirt der nun geschlossenen Topalihütte, die auf meinem Weg gelegen hätte, hat mir am Telefon davon abgeraten. Es sind wirklich keine Menschen mehr unterwegs da oben und ich gehe gerade doch lieber auf Nummer sicher.

Der Weg hinauf war wirklich schön und das Wetter besser als erwartet. Alles war angetuckert vom Schnee und immer wieder verzog sich der Nebel an verschiedenen Stellen und gab den Blick auf Dom, Täschhorn und Allalinhorn frei. Da muss ich auch unbedingt nochmal hin, die Gipfel sehen sehr verlockend aus. Inzwischen denke ich manchmal, dass ich mit mehr Plänen für neue Touren zurückkommen werde, als ich je schaffen kann. Aber ganz oben auf der Liste stehen immer noch der Gran Zebrù und das Weisshorn, das ich leider vom Augustbordpass aus nicht sehen konnte.

Es war schon glatt auf den Steinplatten nach oben, aber mir hat das gehen trotzdem großen Spaß gemacht und ich habe die besondere vom Schnee gedämpfte Stille sehr genossen. Es ist schon eine andere Stille, die ich sonst nur von Splitboardtouren kenne. Oben am Pass habe ich mich schnell umgezogen, ein paar Bilder gemacht und was gegessen. Dann war ich auch schon ziemlich durchgefroren froh mich mit der Bewegung des Abstiegs wieder aufwärmen zu können.

Es ging dann sehr lang recht eben einen Panoramaweg am Turtmanntal entlang. Es war kalt, es hat geschneit und ich war dann schon irgendwann recht müde. Aber die Farben in dem Tal waren beeindruckend schön: die herbstlich roten Blätter der Blaubeeren und Preisebeeren am Boden, die gelbliche Farbe des moorigen Grases, das weiß des Schnees. Der Herbst ist eben meine Jahreszeit. Und hier ist das Wetter gerade mindestens Herbst. Je weiter ich ins Tal hinein ging umso mehr wurde der Herbst zum Winter. Und dann kam der beeindruckend schöne Turtmanngletscher in Sicht, zu dessen Fuß der Turtmannsee leuchtet. Ich hatte die Karte nicht so genau angesehen und dachte, dass ich es fast geschafft habe.

Dann kam ich um eine Kurve und sah nach oben. Hoch auf einem Fels thronte die Turtmannhütte und ich glaubte ich habe in dem Moment laut geseufzt. Mindestens nochmal 300 Höhenmeter hoch. Eigentlich ist das nicht viel aber in dem Moment und um inzwischen 18 Uhr kam es mir unendlich weit vor.

Aber natürlich war ich dann irgendwann oben. Ich habe mir den Schnee abgeklopft (ja, der war auch auf mir überall liegengeblieben) und dann als einziger Gast in der Hütte geschlafen. Man war dort ganz überrascht, dass überhaupt noch jemand kommt. Also hier sozusagen ein Geheimtipp: die Turtmannhütte im September. Da gibt es sicher keinen Trubel und die Hütte liegt wirklich sehr schön.

Nachts hat es draußen heftig gestürmt und die Fenster haben gewackelt. Ich war diesmal wirklich froh nicht bei den wahrscheinlich -10° draußen zu schlafen. Ja, auch wenn ich es noch immer nicht ganz akzeptiert habe: das draußen schlafen ist für diese Tour wahrscheinlich vorbei.

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