52. Tag – Schwäche eingestehen

Strecke: Grimentz (1636m) – Arolla (2006m) – Pas de Chèvres (2855m) – über den Glacier du Cheilon – Cabane des Dix (2928m)

Die Nacht war unruhig. Ich glaube ich hatte Fieber, jedenfalls war mir ständig heiß oder kalt und mein Finger hat pulsiert. Trotzdem habe ich nach dem Aufwachen als erstes das tolle Wetter draußen gesehen und habe nicht daran gezweifelt, dass ich gleich losstarten werde. Aber dann bin ich aufgestanden. Mir hat der ganze Körper weh getan. Das war kein Muskelkater, es waren sowas wie Gliederschmerzen und ich habe mich schwer und unbeweglich gefühlt. Also – ich habe ja aus den letzten Tagen gelernt – wieder eine Planänderung. 

Statt über den Col de Tsaté ins nächste Tal nach La Sage zu gehen, habe ich den Bus dorthin genommen. Es fühlt sich scheiße an. Aber es war die richtige Entscheidung. Und deswegen müsste es sich eigentlich gut anfühlen. Aber das ist eben bisher nur im logischen Teil des Hirns angekommen ist und noch nicht im emotionalen. Ich bin dann wenigstens noch von Arolla aus die 900 Höhenmeter zur Cabane des Dix aufgestiegen. Ich habe beschlossen, dass ich für drei Nächte bleiben werde. Wenn ich mich danach fühle, kann ich von hier aus ein paar schöne (Hoch-)Touren mit leichtem Rucksack machen. Es ist außerdem eine große Erleichterung mal nicht darüber nachdenken zu müssen, wo ich die nächste Nacht verbringen werde und ich glaube auch das wird zu meiner schnellen Erholung beitragen.

Trotzdem war der eigentlich unschwierige Aufstieg zur Cabane des Dix in meiner aktuellen Verfassung ziemlich anstrengend. In der Aufregung mit dem Finger hatte ich meine Hüfte vergessen. Das hat sich gerächt und sie hat sich ab der zweiten Stunde sehr deutlich zurückgemeldet. Irgendwann hat wirklich jeder Schritt weh getan. Trotz Ibuprofen. Morgen werde ich aber sicher nichts tun, außer Yoga, Dehnen, Schlafen und Schreiben. Alles hoffentlich in der Sonne auf der Terrasse. 

Hier auf der Cabane des Dix ist es gemütlich und die Aussicht ist fantastisch. Ich bin die einzige Bergsteigerin hier heute und neben mir werden von dem Hüttenwirt Daniel Reparaturen gemacht und seine Mama Edith sitzt an der Buchhaltung. Dazu läuft schöne, etwas kitschige französische Musik. Außerdem habe ich Schokolade. Also alles ist wunderbar.

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