56. Tag – Der Montblanc versteckt sich

Strecke: Le Châble – Chamonix

Völlig ausgeruht und auch etwas zu spät bin ich heute Morgen von Le Châble aus gestartet. Es war so gemütlich in Lauras Chalet, dass es mir richtig schwer gefallen ist zu gehen. Zum Glück hat die Sonne mich dann doch gelockt, und so bin ich losgelaufen. Aber solche Morgen machen mir doch deutlich, dass meine Energie nicht mehr die selbe ist wie noch vor ein paar Wochen.

Den Weg nach Chamonix habe ich mit einer Mischung aus Autostop und Gehen zurückgelegt. Kaum hatte ich die Grenze zu Frankreich passiert, veränderte sich die Bauweise der Häuser und gefühlt auch die Landschaft. Alles wurde feiner, dabei weniger perfekt, weniger durchgestylt. Einfach natürlicher. Es ist ein wohltuender Anblick, und außerdem eine sehr schöne Landschaft in der alkes sich gerade herbstlich bunter färbt. Hier gibt es besondere Bäume, die mit ihren knallroten Blättern fast schockierend aus der Landschaft herausstechen. Außerdem gibt es hier die Meleze, es ist eine Baumart, deren Holz leicht rosa gefärbt ist, und das hunderte von Jahren wetterfest ist wenn man es verbaut. Das hat mir eine Frau erzählt die mich beim trampen mitgenommen hat. Überhaupt haben mich in Frankreich vor Allem sehr freundliche und neugierige ältere Frauen mitgenommen, mit denen ich lustige und schöne Gespräche führen konnte. Besonders beeindruckt hat mich Renée. Sie ist über 60 Jahre alt und hat mir erzählt dass sie erst mit 40 die Berge für sich entdeckt hat. Aber seitdem geht sie jede Woche wandern und macht auch gerne lange mehrtägige Touren. Sie kommt eigentlich aus der flachen Mitte von Frankreich, und ist glücklich jetzt hier in der Schönheit zu leben. Sie hat mich eingeladen sie einmal zu besuchen, falls ich wieder in der Gegend bin. Ich hätte richtig Lust das Angebot anzunehmen, so sympathisch war sie mir.

In Chamonix habe ich recht viel Zeit damit verloren gefriergetrocknete Meals zu besorgen und vor Allem das Kartenmaterial für die 9. Etappe zusammen zu suchen. Leider war das Paket mit meinen bereits vormarkierten Karten und dem Essen nicht angekommen. Aber ich war überrascht, dass mir Chamonix so gut gefallen hat. Vielleicht weil jetzt durch die Off-Saison nicht mehr so viel los ist. Klar da reiht sich auch Outdoormarkenladen an den anderen, aber die französische Atmosphäre finde ich sehr angenehm.

Meine Route für die letzte Etappe musste ich leider drastisch kürzen. Den Nationalpark Les Ecrins werde ich wohl ein andermal besuchen. Mir bleiben jetzt nur noch vier Tage. Für den Samstag habe ich mir schon einen Flug gebucht. Es ist eine sehr seltsame Vorstellung dass ich dann ausgerechnet in einem Flugzeug sitzen werde.

Den Montblanc konnte ich leider den ganzen Tag lang nicht sehen. Er hat sich in dichtem Nebel versteckt. Aber es ist beeindruckend wie tief hinunter die Gletscherzungen hier reichen. Bestimmt bis auf 1600 m ungefähr.

Eigentlich wollte ich unbedingt noch ein Stückchen weiter Richtung Vanoise Nationalpark kommen, aber bald habe ich vor dem Wetter und der Dunkelheit kapituliert. Weil ich mich doch etwas unwohl dabei gefühlt hätte hier draußen zu schlafen, übernachte jetzt in einer Jugendherberge.

Morgen beginnt meine letzte Etappe mit dem Thema „Erinnerung“. Ich werde dann mein Handy nur noch für Fotos und GPS verwenden. Ich will noch ein paar Tage so ruhig wie möglich verbringen, und wirklich Zeit haben alles Erlebte Revue passieren zu lassen.

Advertisements

2 Gedanken zu “56. Tag – Der Montblanc versteckt sich

  1. „…Ich werde dann mein Handy nur noch für Fotos und GPS verwenden…“ ersetzt hoffentlich nicht den damaligen Vorsatz „…Dieser Blog soll eine Art Tagebuch sein…“.

    Denn gerade die Nebenkommentare abseits der „Sport“-Erlebnisse (Wandern/Klettern/schnell/hoch/weit) waren und sind sehr lesenswert. Ich erkenne das u.a. am aufmerksamen und störungslosen(!) Zuhören, wenn ich die Berichte abends im Familienkreis vorlese.

    Dass Gute an der entschärften Streckenführung ist, dass etwas zum Nachholen und Ergänzen „für später“ übrig bleibt.

    Gefällt mir

    1. Lieber Bodo, beim Blog mache ich eine Ausnahme. Denn schreiben kann ich auch offline und einmal am Tag muss ich dann das Internet eben einschalten. Aber es ehrt mich sehr, dass du meinen Blog vorliest. Schöne Vorstellung. Danke!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s