57. Tag – Französischer Herbst

Strecke: Champagny-en-Vanoise (1192m) – namenloser Hügel (2000m) – Plan-Fournier (1700m) – Chambéranger (1225m) – Pralognan-La-Vanoise (1400m) – La Chollière (1500m)

Es ist schön in Frankreich zu sein. Hier  sind die Wege natürlicher. Alles ist wilder, steiler, weniger ausgebaut, weniger markiert. In der Schweiz hat man ständig das Gefühl die Wege seien perfekt nivelliert und würden in geplant stetiger Gradzahl bergauf oder bergab gehen. Jede steilere Stelle ist mit einem Seil oder einer Kette gesichert und in Baumstümpfe die „im Weg“ stehen werden präzise Steigstufen gesägt. Dabei scheint es sogar Teil des Plans zu sein in der Gestaltung so „nah an der Natur“ wie möglich zu sein. Auch das ist eben sehr stylisch. Auch wenn in der Schweiz für den Umweltschutz wirklich viel geleistet wird, auch wenn die modernen Schweizer Hütten in ihrer Energieeffizienz und Designbauweise natürlich top of the pop sind, irgendwie ist mir das alles ein bisschen fremd.

Heute morgen bin ich von Champagne-en-Vanoise losgelaufen. Es ging über einen winzigen Waldpfad steil bergauf durch bunte Wälder. Kaum hatte ich fast 800hm bergauf gemacht, ging es plötzlich ebenso steil wieder 300hm bergab. In Plan-Fournier legte ich eine kleine Pause ein und entschied dann entlang des Tals oberhalb der Dörfer bis Pralognan-en-Vanoise zu gehen. Die Hütten haben hier schon alle geschlossen.

In einer kleinen Bar in dem noch kleineren französischen Bergdörfchen Chambérangere habe ich mir eine Cola gekauft. Die Dame hinter der Theke war richtig überrascht über Kundschaft. Als ich sie fragte ob es immer so ruhig sei, sagte sie etwas leidend, dass es meistens schon sehr ruhig sei und dass ihrer Meinung nach gern ein bisschen mehr los sein dürfte… Das Dorf ist wirklich verschlafen. Ich hätte große Lust wieder zu kommen und hier eine Weile schreibend zu verbringen.

In Pralognan angekommen hatte bis auf den Supermarkt alles geschlossen. Kein Restaurant war mehr in Betrieb. Auch hier ist schon alles im Winterschlaf. So bin ich, ausgestattet mit einer Tüte Chips, Saft und Salat weiter talaufwärts gelaufen und habe schließlich einen überdachten Biwakplatz vor einer (geschlossenen) Hütte an einem Bach gefunden. Es war ein langer Tag und ich bin froh jetzt einfach zu schlafen.

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